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Pepe Escobar: Die Nakba 2.0 als Wiederbelebung der Neocon-Kriege

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Nov 7, 2023

Von Pepe Escobar

Der Krieg Israels gegen die Kinder von Gaza, der gleichzeitig sowohl ein Krieg des westlichen Hegemonen gegen die Achse des arabischen Widerstands als auch ein Nebenkriegsschauplatz des NATO-Krieges gegen Russland in der Ukraine und gegen China ist, gerät völlig außer Kontrolle.

Mittlerweile ist klar: es wäre vorhersehbar gewesen, dass das Imperium zurückschlägt. Nachdem China in ganz Westasien Frieden vermittelt und die Achse Russland – China sich auf die BRICS-11-Staaten konzentriert – einschließlich der Erleichterung von Energiehandelsabkommen unabhängig vom US-Dollar.

Lasst uns Westasien in Brand setzen

Das unmittelbare Ziel der neokonservativen Psychos und ihrer Pendants jenseits des Korridore der Macht in Washington, D.C. besteht darin, Syrien, den Libanon – und letztendlich Iran anzugreifen.

Dies erklärt die Präsenz einer Flotte von mindestens 73 US- und NATO-Kriegsschiffen im zentralen und östlichen Mittelmeer – zwei US-Flugzeugträgergruppen mit bis 30 Schiffen von 14 NATO-Staaten, die sich an den Kriegsspielen Dynamic Mariner vor der Küste Italiens beteiligen. Das ist die größte Konzentration von US- und NATO-Kriegsschiffen seit den 1970er Jahren.

Wer glaubt, dass diese Flotte zusammengestellt wurde, um Israel bei seinem Projekt der „Endlösung“ der Palästinenserfrage, der Nakba 2.0 in Gaza, zu „unterstützen“, sollte besser Märchen der Brüder Grimm lesen. Der bereits im Gange befindliche Schattenkrieg zielt darauf ab, alle Knotenpunkte der Achse des Widerstands in Syrien, im Libanon und im Irak zu zerschlagen – wobei Iran als der Höhepunkt auch als letzter ins Visier genommen wird.

Jeder Militäranalytiker mit einem IQ über Raumtemperatur weiß, dass all diese teuren US-amerikanischen Badewannen aus Eisen dazu bestimmt sind, zu rostigen Unterwasserriffen zu werden – vor allem, wenn sie von Hyperschallwaffen angegriffen werden. Natürlich könnte dies alles auch nur eine der üblichen US-Shows zur Machtprojektion und Abschreckung sein. Die Hauptakteure – Iran und Russland – sind nicht sonderlich beeindruckt. Es genügt ein Blick über die Schulter, um zu sehen, was eine Gruppe von Bergziegenhirten mit nachgebauten Kalaschnikow-Gewehren in den Händen der NATO in Afghanistan angetan haben.

Darüber hinaus müsste sich der westliche Hegemon auf ein seriöses Netzwerk von Stützpunkten vor Ort verlassen können, wenn er jemals erwägen würde, einen Krieg gegen Iran zu beginnen. Kein westasiatischer Akteur würde den USA erlauben, Stützpunkte in Katar, Kuwait, Irak oder sogar Jordanien zu nutzen. Bagdad ist bereits seit Längerem damit beschäftigt, alle Stützpunkte der USA loszuwerden.

Wo ist mein neues Pearl Harbor?

Plan B ist – was sonst? – die Veranstaltung eines weiteren „Pearl Harbor“ – das jüngste ist laut Tel Aviv erst ein paar Wochen her. Schließlich bringt die Organisation einer solch aufwendigen Demonstration der Kanonenboot-Diplomatie in einem Binnenmeer eine köstliche Auswahl an Zielscheiben zum Vorschein.

Es ist müßig, vom Pentagon-Chef Lloyd Austin zu erwarten, dass er die mögliche Demütigung kosmischer Größenordnung berücksichtigt, wenn nämlich dem westlichen Hegemon eine seiner milliardenteuren Badewannen durch eine iranische Rakete versenkt wird. Sollte das passieren, würden die USA – im wahrsten Sinne des Wortes – explodieren. Alastair Crooke – die analytische Instanz – hat gewarnt, dass alle Krisenherde der Welt auf einmal explodieren könnten und das gesamte US-amerikanische „Allianz-System“ zerstören.

Der russische Außenminister Sergei Lawrow brachte es wie üblich auf den Punkt, als er sagte, wenn Gaza zerstört würde, werde die daraus resultierende Katastrophe „Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte“ andauern. Was als Glücksspiel in Gaza begann, könnte sich nun auf ganz Westasien und anschließend unweigerlich auf Europa, Afrika und Asien ausweiten. Jeder erinnert sich an die Einleitung zu den aktuellen brisanten Umständen: Jener Schachzug aus dem Lehrbuch von Brzeziński, der in der Ukraine getätigt wurde, um Europa von den russischen natürlichen Ressourcen abzuschneiden.

Dieser Schachzug hat sich zur größten Krise auf der Welt seit 1939 ausgeweitet. Die neokonservativen Psychos in Washington, D.C. haben keine Ahnung, wie sie sich daraus zurückziehen könnten. Daher besteht derzeit kaum Hoffnung auf eine friedliche Lösung beider miteinander verflochtener Kriege, jener in der Ukraine und jener in Gaza.

Wie ich bereits früher betont habe, können die Staatsoberhäupter der großen Ölproduzenten – Russland, Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait – auf einen Schlag fast die Hälfte der weltweiten Ölproduktion einstellen und so die gesamten Volkswirtschaften der EU und der USA zerstören, ohne dafür einen einzigen Schuss abgeben zu müssen. Diplomatische Quellen versichern, dass dies ernsthaft erwogen werde.

Wie mir eine Quelle alter Schule aus dem Deep-State der USA, jetzt in Europa lebend, sagte, sind ernsthafte Akteure aktiv daran beteiligt, diese Botschaft an Washington zu senden, „um die USA dazu zu bringen, zweimal darüber nachzudenken, einen Krieg zu entfachen, den sie nicht kontrollieren können. Wenn sie jetzt an die Wall Street gehen wollen, um sich ein Engagement im Markt für Derivate zu überlegen, dann werden sie Zeit finden, darüber nachzudenken, weil Unterlagen darüber bereits an Leute wie Larry Fink von BlackRock und Michael Bloomberg geschickt wurden.“

Parallel dazu entwickelt sich in Geheimdienstkreisen eine ernsthafte Diskussion entlang der „neuen Achse des Bösen“ – Russland, China, Iran – über die Notwendigkeit der Konsolidierung eines einheitlichen islamischen Pols.

Die Aussichten sind nicht gut – auch wenn wichtige Pole wie Russland und China den gemeinsamen Feind des gesamten globalen Südens, also der globalen Mehrheit, klar identifiziert haben. Die Türkei unter Erdoğan macht sich nur wichtig. Saudi-Arabien wird sich auf keinen Fall für die Verteidigung oder den Schutz der Palästinenser einsetzen. Amerikanische Lakaien in Westasien haben einfach zu viel Angst. Bleiben nur noch Iran und die Achse des Widerstands.

Im Zweifelsfall gedenke Jahve

Unterdessen ist der rachsüchtige, narzisstische Stamm der Landräuber, der Meister der politischen Täuschung und des Abstreifens jeglicher Moral mitten in der Konsolidierung seiner Nakba 2.0 – was gleichzeitig die perfekte Lösung wäre, um sich auch noch das gesamte Gasvorkommen vor der Küste Gazas illegal einzuverleiben. Die Direktive des israelischen Geheimdienstministeriums zur Abschiebung, die 2,3 Millionen Palästinenser betrifft, ist da ziemlich deutlich. Die offizielle Genehmigung des Ministeriums erfolgte am 13. Oktober.

Es beginnt mit der Vertreibung aller Palästinenser aus dem nördlichen Gazastreifen, gefolgt von seriellen militärischen Bodenoperationen, dem Offenlassen der Routen über die Grenze nach Ägypten in Rafah und die Errichtung von Zeltstädten im nördlichen Sinai. Später sollen sogar neue Siedlungen zur Unterbringung der Palästinenser in Ägypten entstehen.

Der Berater für humanitäres Recht und Politik Itay Epshtain bemerkte dazu: „Ich konnte bisher keinen Tagesordnungspunkt oder Regierungsbeschluss finden, der die Direktive des Ministeriums befürwortet. Wenn sie tatsächlich vorgelegt und genehmigt worden wäre, wäre sie wahrscheinlich nicht an die Öffentlichkeit gelangt.“

Mehrere zionistische Extremisten in Tel Aviv bestätigen die Absichten dieser Direktive jedenfalls in ihren von Hass erfüllten Wutausbrüchen. Was den größeren Krieg betrifft, so wurde bereits darüber geschrieben – vor langer Zeit. Und jetzt wollen sie diesen Plan buchstabengetreu umsetzen, gemeinsam mit den US-amerikanischen christlich-zionistischen Konservativen.

Jeder erinnert sich daran, wie General Wesley Clark zwei Monate nach dem 11. September ins Pentagon ging und dort vom neokonservativen/christlich-zionistischen Plan erfuhr, innerhalb von fünf Jahren sieben Länder anzugreifen und zu zerstören: Das waren Irak, Libyen, Libanon, Syrien, Somalia, Sudan – und Iran. Sie alle wurden praktisch destabilisiert, zerstört oder ins Chaos gestürzt. Das letzte Land auf der Liste ist nun Iran.

Gehen wir nun über zum Deuteronomium, dem fünften Buch der Tora, Vers 7:1-2, 24:

Jahve (gemeint ist der Name Gottes im Alten Testament) sagte zu Israel, dass er sieben Nationen identifiziert habe, die größer und stärker sind als Israel selbst, und die dem Fluch ihrer Vernichtung ausgesetzt werden müssen. Es dürfe kein Mitleid gezeigt werden. Was ihre Könige betrifft: „Ihr werdet ihre Namen auslöschen.“

Übersetzt aus dem Englischen.

Pepe Escobar ist ein unabhängiger geopolitischer Analyst und Autor. Sein neuestes Buch heißt „Raging Twenties“ (Die wütenden Zwanziger). Man kann ihm auf Telegram und auf X folgen.

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