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Reichelt stramm israelisch: Ja zu Bombardements und die Hamas ist eine SS-Organisation

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Okt 26, 2023

Der Nius-Artikel vom 25. Oktober ist als Analyse deklariert. Julian Reichelt möchte über seinen Text den Lesern vermitteln, dass die Aktionen der Hamas vom 7. Oktober das gleiche Niveau gehabt hätten wie die der Nazi-Organisation SS. Die Hamas-Organisation agiere wie „Nazi-Deutschland“. Die Dauerbombardierungen des Gazastreifens durch die israelische Armee seien nachvollziehbar und „angemessen“. Israel stehe demnach mit Blick auf Gaza vor der gleichen Aufgabe wie „Briten und Amerikaner“ im Jahr 1945 mit Blick auf Deutschland: „Wie kann es gelingen, den Feind ein für alle Mal zu vernichten?“.

Der Artikel trägt den Titel: „Baerbocks Blabla ist für Israel lebensgefährlich“. Reichelt präsentiert sich seit den Ereignissen vom 7. Oktober als einhundertprozentiger „Israel-Versteher“ und Sympathisant. In seiner Analyse stellt er einleitend daher fest: „Die Verbrechen, die am 7. Oktober von den Einsatzgruppen der Hamas gegen Juden in Israel verübt wurden, finden Vergleichbarkeit nur im Zivilisationsbruch der Deutschen“. Reichelt untermauert seine Wahrnehmung mit der Feststellung:

„Der größte Unterschied zwischen der Hamas und der SS ist, dass man die Hamas nur mit einem S schreibt.“

Die Organisation habe, „wie Nazi-Deutschland“, das  „Morden“ nur „aus militärischen Zwängen“ beendet. Reichelt stellt den für ihn angebrachten Vergleich her:

„Auschwitz wurde befreit. Die Hamas-Terroristen wurden aus Israel vertrieben. Wäre das nicht geschehen, wäre das Morden zu einem absoluten Ende geführt worden.“

Diese Darstellung „muss man verstehen“, wenn man aktuell über die für den Nius-Redakteur „angemessene“ militärische Antwort Israels und „die (falsche) Gleichsetzung des Leids auf beiden Seiten des Konflikts“ berichten würde. Reichelt zeigt sich mehr als unzufrieden hinsichtlich der argumentativen Linie der Bundesregierung bezogen auf die unerbittliche militärische Antwort Israels. Reichelt stellt für sich fest:

„Bundeskanzler Olaf Scholz und Annalena Baerbock drücken sich stellvertretend für die Mehrheit von Politikern und Medien vor der Frage, ob es auch ein Recht auf Selbstverteidigung gibt, wenn die strikte Einhaltung des humanitären Völkerrechts schlicht unrealistisch ist.“

Unmittelbar anschließend spannt Reichelt erneut den historischen Bogen zu den finalen Ereignissen im 2. Weltkrieg, um provokativ festzustellen:

„Ob ein Selbstverteidigungsrecht nicht auch darin bestehen kann, zum Beispiel den Willen einer Zivilbevölkerung zu brechen, so wie es die amerikanischen und britischen Bomber mit Millionen Menschen in den deutschen Städten taten.“

Diesen Blickwinkel, „natürlich eine unbequeme Frage“, untermauert er mit der Formulierung:

„Die militärische Selbstverteidigung beinhaltet immer eine Fragestellung, die Deutschland sich aus Bequemlichkeit traditionell verbietet, nämlich das Aufwiegen von Leben: Wie viele Soldaten darf man in den Tod schicken, damit Zivilisten in Frieden leben können?“

Sein historisches Vergleichsspiel gipfelt in der provokativen Darlegung hinsichtlich der israelischen Dauerbombardierungen, „nicht gezielt oder gar aus Sadismus, aber aus strategischem Überlebenskalkül“, und dem Folgevergleich:

„Briten und Amerikaner hielten es für geboten und moralisch vertretbar, den Willen der deutschen Zivilbevölkerung durch Flächenbombardements von Städten zu brechen. Sie nahmen den Tod Hunderttausender Zivilisten nicht nur in Kauf, sie verursachten ihn ganz bewusst, weil sie der (richtigen) Überzeugung waren, dass es ein befreites und friedliches Europa nur geben könne, wenn Deutschland in jeder Hinsicht gebrochen wäre.“

Die israelische Staatsführung stehe daher für Reichelt vor einer Aufgabe, „vor der auch die Alliierten im 2. Weltkrieg standen: Wie kann es gelingen, den Feind ein für alle Mal zu vernichten?“. Um sich dabei stellvertretend für die Netanjahu-Regierung die Frage zu stellen:

„Wie kann es gelingen, die breite Unterstützung des Feindes in der Bevölkerung zu brechen und zu zerstören? Wie kann man durch Gewalt ein Land, ein Volk derart zermürben, dass es für immer einen neuen Weg einschlägt?“

Reichelts Analyse gipfelt in dem erneut bewusst provozierenden historischen Vergleichsmoment:

„Um es klar zu sagen: Mit der wenig subtilen Erwartungshaltung, die sich hinter den ermahnenden Formulierungen von Annalena Baerbock versteckt, wäre es absolut ausgeschlossen gewesen, Europa von den Nationalsozialisten und die überlebenden Juden aus den Konzentrationslagern zu befreien.“

Mit Baerbocks „subtiler Erwartungshaltung“, dem „Blabla“, bezeichnet Reichelt die jüngsten an Israel gerichteten Forderungen der Außenministerin, bei ihren Militäraktionen „die strikte Einhaltung des humanitären Völkerrechts“ jederzeit zu berücksichtigen. Baerbock begann ihre Rede von der UN-Vollversammlung mit den Worten:

„Ein Aufschrei der Qual ist in diesen Tagen im ganzen Nahen Osten hörbar. Man hört ihn in Israel, wo Familien um ihre Angehörigen trauern … Man hört ihn in Gaza, wo Eltern um das Leben ihrer Kinder fürchten.“

Für Reichelt hat sich Baerbock damit „intellektuell lächerlich“ gemacht und zudem „von deutschem Kitsch getränkte Sätze“ formuliert. Zudem seien für ihn die UN „moralisch in jeglicher Hinsicht gescheitert“.

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