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Russische Armee findet Schwachstelle in der ukrainischen Verteidigung

In den letzten Tagen ist der Frontverlauf zwischen russischen und ukrainischen Einheiten in Bewegung geraten. Im Moment nehmen die Kämpfe vor allem im Raum Saporoschje an Schärfe zu. Die Einnahme von Saporoschje dürfte allerdings mindestens so langwierige Kämpfe erfordern wie seinerzeit die um Mariupol.

Am Freitag gab es mehrere Berichte über taktische Erfolge des russischen Militärs in der Region Saporoschje an der Frontlinie zwischen Guljaipolje und dem Kachowka-Stausee. Dort, wo die russische Armee in den vergangenen Monaten ihre Verteidigungsanlagen verstärkt hatte, wurden örtlich begrenzte Vorstöße festgestellt. Womit sind diese Veränderungen verbunden und eröffnen sie die Möglichkeit, Saporoschje zu befreien?

Wie das [russische] Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte, haben Einheiten des Militärbezirks Ost das Dorf Lobkowoje nördlich der Stadt Tokmak wieder befreit, das bereits im März vergangenen Jahres vom russischen Militär besetzt worden war.

Die Besetzung dieses kleinen Ortes an der Straße zwischen dem von ukrainischen Streitkräften kontrollierten Dorf Kamenskoje und der Stadt Orechow habe es der ukrainischen Seite sehr schwer gemacht, Personal, Munition, Waffen und militärische Ausrüstung zu verlagern, erklärte Wladimir Rogow, Chef der Bewegung „Wir – zusammen mit Russland“ im Gebiet Saporoschje, gegenüber TASS.

„Das gibt Hoffnung, nicht nur die operative Kontrolle über diese Straße zu erlangen, sondern auch die Verkehrswege zu blockieren, wenn auch entlang der Frontlinie“, erklärte Rogow im Radiosender Komsomolskaja Prawda.

Der Politiker informierte auch über den lokalen Erfolg der russischen Streitkräfte im Vorort Orechow. „Unsere Artillerie ist aktiv im Einsatz. Es ist uns gelungen, die vollständige Feuerkontrolle über vier Siedlungen in den Vororten von Orechow zu erlangen“, sagte Rogow der Zeitung Wsgljad. Die von den ukrainischen Streitkräften kontrollierte Stadt liegt etwa 60 km vom regionalen Zentrum Saporoschje entfernt, das vom ukrainischen Militär besetzt wurde.

„Die Intensität des Beschusses von feindlichen Stellungen ist rekordverdächtig hoch. Allein in den letzten 24 Stunden hat das ukrainische Verteidigungsministerium mehr als 200 unserer Angriffe bestätigt. Dies geht aus ihren internen Berichten hervor, die wir abfangen konnten“, so der Gesprächspartner. Rogow fügte hinzu, dass die Kämpfe von der Grenze des Gebiets Saporoschje zur DVR [zur Donezker Volksrepublik] in Richtung der Dörfer Olgowskoje, Malinowka, Tschariwnoje und Belogorje bis hin zum Dorf Kamenskoje stattfinden.

Rogow gab in seinem Telegram-Kanal an, dass das Feuer von Panzern, Mörsern und Artillerie auf feindliche Stellungen in zwölf Siedlungen der Region gerichtet war: Olgowskoje, Malinowka, Guljaipolje, Salisnitschnoje, Guljaipolskoje, Tschariwnoje, Belogorje, Malaja Tokmatschka, Orechow, Nesterjanka, Malyje Schtscherbaki und Kamenskoje.

So kann man von verstärkten Kampfhandlungen vor allem im Frontabschnitt von etwa Guljaipolje bis zum Ostufer des Kachowka-Stausees sprechen.

Wir möchten hinzufügen, dass Anfang der Woche russische Panzer eine Festung des ukrainischen Militärs auf dem Territorium des Gebiets beseitigt haben. Aus dem Bericht vom Freitag geht hervor, dass ein Hangar mit Waffen und Ausrüstung in der Nähe des Dorfes Kamenskoje im Wassiljewski-Bezirk zerstört wurde. Ein amerikanisches AN/TPQ-37-Batterieabwehr-Radar wurde bei Malaja Tokmatschka zerstört. Die Verluste des Feindes beliefen sich im Laufe des Tages auf etwa 90 getötete oder verwundete Soldaten, vier gepanzerte Fahrzeuge, eine Panzerhaubitze „Akazija“ sowie zwei Haubitzen D-20 und D-30.

Mitten in den heftiger gewordenen Kämpfen an der Front bereiten die ukrainischen Streitkräfte bereits auch die Regionalhauptstadt auf die Verteidigung vor. Wie Rogow sagte, werden in Saporoschje gestaffelte Befestigungsanlagen gebaut. Die erste Linie befindet sich entlang der Kontaktlinie, die zweite in den nächstgelegenen Vororten von Saporoschje (Kamyschewacha, Kuschugum), und die dritte wird innerhalb der Stadt errichtet.

In Saporoschje haben sich in letzter Zeit ernstzunehmende feindliche Kräfte konzentriert, darunter Söldner aus Polen, Georgien und von der verbotenen Terrororganisation Islamischer Staat. Während sich die ukrainischen Kämpfer früher auf einen Angriff vorbereiteten, verschanzen sie sich jetzt und bereiten sich auf die Verteidigung vor.

Rogow zufolge richtet das ukrainische Militär in den Maschinenbaufabriken und Stahlwerken des Oligarchen Rinat Achmetow Festungen und Kommandoposten, Bunker, Munitions- und Ausrüstungsdepots ein. „Die Befreiung von Saporoschje wird sehr schwierig sein. Wir werden wahrscheinlich unser gesamtes militärisches Talent einsetzen müssen“, erwartet der Experte und fügt hinzu, dass das russische Militär angesichts der dichten Wohngebiete und der Infrastruktur bei der Befreiung von Mariupol und Soledar die dort gemachten Erfahrungen berücksichtigen sollte.

Der Militäranalytiker Michail Onufrijenko ist der Meinung, dass man von einer Intensivierung der Feindseligkeiten nicht nur im Raum Saporoschje, sondern an der gesamten Front „vom Gebiet Belgorod bis zum Dnjepr“ sprechen kann. „Auch unser Generalstab gibt dies zu, wenn auch in etwas verschleierter Form. Es gibt Berichte über Offensiven und drei Dutzend Siedlungen, in denen die ukrainische Offensive zurückgeschlagen wurde, sowie über Beschuss aus einer Reihe anderer Richtungen“, so Onufrijenko gegenüber Wsgljad.

„Selbst das ukrainische Militär spricht davon, dass wir mehrere Siedlungen in Richtung Saporoschje besetzt haben, auch das ist ein Indiz“, stellte der Gesprächspartner klar.

Er stellte fest, dass das russische Militär die größten Erfolge in der Nähe von Artjomowsk erzielt hat, wo es methodisch eine [ukrainische] Befestigung nach der anderen zerstört. Dies zwang die Ukraine, einen Teil ihrer Truppen aus Saporoschje abzuziehen und in den Donbass zu verlegen.

Aus den Worten von Wladimir Rogow kann man auch schließen, dass die Stellungen der ukrainischen Streitkräfte im Raum Saporoschje eine Schwachstelle der Front sind. Seinen Informationen zufolge wurden jetzt bedeutende ukrainische militärische Kräfte aus der Richtung Saporoschje in die DVR und LVR [Lugansker Volksrepublik] verlegt. „Das sind sieben bis acht Einheiten, die im Raum Saporoschje aufgestellt waren, heute sind sie praktisch verschwunden, es gibt nur noch Überreste von ihnen“, zitiert TASS eine Stellungnahme von Rogow dazu in der Sendung Solowjow Live.

Der Politiker aus Saporoschje erwähnte die 35. Marinebrigade und die 55. Artilleriebrigade. Es stellte sich heraus, dass die letzteren in der Nähe von Kurachowo vollständig in die DVR verlegt worden waren. So wurde die 128. Gebirgsjägerbrigade, die im Gebiet Transkarpatien gebildet wurde, besiegt und zur Verstärkung in den Donbass-Abschnitt der Front entsandt, wie Rogow betonte. Die 79. Luftlandebrigade hat sich nun in der Nähe von Marinka (DVR) eingefunden.

Rogow glaubt an den Erfolg der weiteren Befreiung von Saporoschje. Er sagte, dass es an der Front immer häufiger vorkomme, dass Soldaten aus den ukrainischen Einheiten der Territorialverteidigung auf die Seite Russlands überlaufen. Es sei daran erinnert, dass der amtierende Leiter der Region, Jewgeni Balizki, zuvor gesagt hatte, dass die vollständige Befreiung des von den ukrainischen Streitkräften besetzten Teils des Gebiets im Frühjahr beginnen könne.

Onufrijenko hält es jedoch für verfrüht, über die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Befreiung des Gebietszentrums zu sprechen. „Was die Einnahme von Saporoschje betrifft, so haben wir bisher keine großen Aussichten, es nach dem Rückzug vom rechten Dnjeprufer einzunehmen, da es keine Möglichkeit gibt, den Fluss zu überqueren. Dies erfordert Kräfte und Mittel, einschließlich der Konzentration von Truppen“, meint der Experte.

Auch die westliche Militärhilfe für Kiew dürfe nicht unberücksichtigt bleiben, so der Militärexperte Alexei Leonkow. Die ukrainische Militärführung könnte in diesem Zusammenhang eine Offensive planen, um den Landkorridor zur Krim zu kappen. „Was den gesamten Landkorridor vom ‚Großen‘ Russland zur Krim betrifft – die Straße, die durch Mariupol, Melitopol und Berdjansk führt – werden sie HIMARS und Artillerie insbesondere hochpräzise Excalibur-Granaten abfeuern sowie Sabotage- und Aufklärungsgruppen entsenden. Sie werden durch Avenger-Boden-Luft-Raketensysteme geschützt. Nicht umsonst verstärken die ukrainischen Streitkräfte jetzt ihr Luftabwehrsystem“, sagte die Quelle voraus.

„Darüber hinaus könnten die ukrainischen Streitkräfte versuchen, uns an unserer Nordflanke – in der Nähe von Swatowo und Kremennaja – anzugreifen. Genau aus diesem Grund bittet Saluschny den Westen um mehrere hundert Panzer, um sie an einem Ort zu konzentrieren und als Durchbruchsmaterial zu verwenden“, fügte Leonkow hinzu.

„Vor dem Treffen der Verteidigungsminister auf dem US-Stützpunkt Ramstein Air Base in Deutschland hat uns die Ukraine an allen Fronten angegriffen, nicht um einen Erfolg zu erzielen, sondern um dem Westen ihre Entschlossenheit zum Kampf und das Ausmaß ihrer Aktionen zu demonstrieren. Damit soll sichergestellt werden, dass der Westen möglichst viel von dem liefert, worüber in den letzten Wochen gesprochen wurde – insbesondere leichte gepanzerte Fahrzeuge und Kampfpanzer“, so der Militärexperte.

„Aber wir wissen um die Probleme mit den Panzerlieferungen, und ich denke, Kiew sollte nicht mit ihnen rechnen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass recht umfangreiche Lieferungen von 105-mm- und 155-mm-Munition für französische AMX-10RC-Radpanzer und amerikanische Stryker-Radschützenpanzer vereinbart werden“, erklärte der Militärexperte Alexei Leonkow.

Demnach könne die ukrainische Armee mit der neuen Bewaffnung mehrere kompaniestarke taktische Gruppen auf der Grundlage leichter Fahrzeuge – Stryker oder AMX-10RC, der als Infanteriepanzer fungieren wird – bilden und versuchen, die Verteidigung bei Melitopol zu durchbrechen. Die Marder- und M2-Bradley-Schützenpanzer sollen Feuerunterstützung und amphibische Unterstützung leisten.

Aber in Wirklichkeit liegt die taktische Initiative jetzt bei der russischen Seite. „Im Grunde genommen zermahlen wir die feindlichen Streitkräfte“, erklärte Onufrijenko. Gestern habe ich noch einmal mit den Militärs gesprochen, die den mehrfachen Vorteil unserer Raketen- und Artilleriekräfte, die hohen Verluste der ukrainischen Streitkräfte und deren Mangel an Kräften für einen Gegenangriff feststellten. Der Feind unternimmt in der Nähe von Swatowo in der LVR lokale Angriffe, die wie schon in den letzten Monaten völlig erfolglos sind.

Von Darja Wolkowa

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei Wsgljad

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