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Für Zwei-Prozent-Ziel der NATO: Dänemark verzichtet auf einen Feiertag

Die neu gebildete Regierung in Kopenhagen hat angekündigt, auf einen der ältesten Nationalfeiertage zu verzichten, um die Verteidigungsausgaben erhöhen zu können. Allerdings stößt das Vorhaben auf Kritik seitens der dänischen Religionsgemeinschaft.

Eine der obersten Prioritäten der neuen Regierung in Dänemark ist es, das Ziel der NATO, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung aufzuwenden, drei Jahre früher zu erreichen. Es herrsche Krieg in Europa, erklärte Premierministerin Mette Frederiksen am Donnerstag mit Hinblick auf den Ukraine-Konflikt. Das Land müsse seine Verteidigung stärken, und dazu müsse jeder etwas mehr beitragen. Nun wird dafür wahrscheinlich der Feiertag Store Bededag (zu Deutsch: Der Große Gebetstag) gestrichen, der jedes Jahr auf den vierten Freitag nach Ostersonntag fällt und in Dänemark seit 1686 als gesetzlicher Feiertag begangen wurde. Fredriksen sagte, sie hoffe, dass sich mit dieser Maßnahme die Produktivität und die Wirtschaftstätigkeit im Land ankurbeln lassen.

Erstmals seit über 40 Jahren erhält Dänemark eine blockübergreifende Regierung. Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Frederiksen und die liberal-konservative Partei Venstre unter Jakob Ellemann-Jensen wollen gemeinsam mit der neuen Partei von Ex-Regierungschef Rasmussen die Geschicke des Staates bestimmen.

Die Entscheidung der neuen Regierung über den Verzicht auf den ältesten dänischen Feiertag wird von religiösen Organisationen kritisiert. Sophie Olander, die Dekanin der Kathedrale von Roskilde,  verurteilte den Schritt und sagte gegenüber dem lokalen Fernsehsender TV2:

„Wir brauchen die Feiertage, um zusammenzukommen, unseren Lebensrhythmus zu verlangsamen und Zeit für Gebete und Reflexion zu haben. Es ist schade, in einer Gesellschaft zu leben, in der dies nicht für wichtig erachtet wird.“

Die Präsidentin des Klerusverbandes, Pernille Vigso Bagge, sagte der dänischen Zeitung Berlingske, sie sei traurig über die Aussicht, auf den Tag verzichten zu müssen. Zudem befürchte sie einen „logistischen Albtraum“ für Priester und Gemeindemitglieder, da am Großen Gebetstag normalerweise Konfirmationen stattfinden. Aber auch Unternehmer sollen besorgt sein: Bäcker Iver Hansen erklärte gegenüber den Medien, dass der Feiertag eine große Einnahmequelle für seinen Betrieb darstelle und ihm etwa 20.000 bis 30.000 Dänische Kronen (2.680 bis 4.000 Euro) an Einnahmen entgingen, wenn dieser gestrichen würde.

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