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EU-Ölpreisobergrenze könnte zu „heftigen“ Preisanstiegen führen

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Dez 3, 2022

Da die Sanktionen der Europäischen Union (EU) auf russisches Öl in der nächsten Woche in Kraft treten, könnte die Maßnahme laut einem Bericht der Zeitung The Economist zu Preisschocks auf dem Weltmarkt führen. Brüssel hatte sich am Freitag auf eine Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) für russisches Erdöl auf dem Seeweg geeinigt.

Wie es in dem Bericht der britischen Wirtschaftszeitung heißt, hätten die europäischen Versicherer und Schifffahrtsunternehmen seit langem einen „schraubstockähnlichen Einfluss“ auf die Energiemärkte. Rund 95 Prozent der Sach- und Haftpflichtversicherungen für alle Öltanker würden von Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich und der EU abgewickelt. Dies schien demnach ein Hebel zu sein, mit dem der Westen den Verkauf von russischem Öl weltweit kontrollieren könnte. Sollte das russische Öl jedoch nicht auf den Markt gelangen, könnten die weltweiten Ölpreise in die Höhe schnellen, was den westlichen Verbrauchern schaden würde, schreibt das Blatt.

Weiter heißt es im Bericht: „Daher hat das US-amerikanische Finanzministerium inzwischen einen raffinierten Plan ausgearbeitet, um das Problem zu entschärfen: Europäische Firmen sollen weiterhin ihre Dienste anbieten dürfen, vorausgesetzt, das Öl wird zu einem vom Westen festgelegten, gedrückten Preis gekauft.“ Wenn dieser Preis jedoch über dem Höchstpreis liegt, dann soll den Schifffahrts- und Versicherungsfirmen die Abwicklung russischer Rohöltransporte rund um den Globus verboten werden.

Alles hänge allerdings davon ab, wie Moskau nun reagiere, so The Economist. In dem Bericht wird etwa davor gewarnt, dass der Kreml seine Ölexporte einschränken und sich auf eine kleinere Gruppe von nicht-westlichen Tankern und Versicherern verlassen könnte, was die Weltmarktpreise in die Höhe treiben würde. Der Bericht beleuchtet noch einen weiteren Aspekt: 

„Die andere Ungewissheit ist, wie viel Macht der Westen letztendlich über die globalen Ölmärkte ausüben kann.“

So seien laut The Economist etwa Länder wie China, Indien und Indonesien gewillt, eine Beteiligung an den westlichen Sanktionen und Embargos zu vermeiden. Sie würden demnach nach alternativen Möglichkeiten suchen, sich abzusichern – und da das Verbot bereits vor sechs Monaten angekündigt worden war, „hatten sie Zeit, sich darauf vorzubereiten.“

Das „wahre Kräfteverhältnis“ auf den Ölmärkten werde sich laut der britischen Zeitschrift somit nach dem 5. Dezember offenbaren, und es könnte zu einem „heftigen Preisanstieg“ kommen. Zum besagten Datum tritt dann auch die von der EU vor Monaten beschlossene Maßnahme gegen Moskau in Kraft, welche vorsieht, dass kein russisches Öl mehr über den Seeweg in die EU kommt.

In einem Bericht bei tagesschau.de hatten auch Rohstoffexperten aus Deutschland davor gewarnt, dass das Ölembargo samt der nun beschlossenen Preisbremse künftig wieder für steigende Preise sorgen könnte. So müsse die EU ab dem Inkrafttreten des Embargos im Dezember etwa eine Million Barell Rohöl pro Tag anderweitig einkaufen, und ab Februar 2023 auch 1,1 Millionen Tonnen Ölprodukte. Doch das Angebot außerhalb Russlands sei laut einem Rohstoffexperten der Commerzbank „nicht größer“ geworden; er gehe davon aus, dass in den kommenden Wochen ein „Anstieg des Brent-Ölpreises zurück auf 95 Dollar je Barrel“ erfolgen werde.

Vor allem das ab Februar 2023 geltende Embargo auf Importe von russischen Ölprodukten wie Diesel und Heizöl dürfte im März nächsten Jahres auf den Rohstoffmärkten für steigende Preise sorgen. Denn laut dem Commerbank-Experten sei es fraglich, ob die EU es schaffe, den Wegfall der russischen Lieferungen „adäquat zu ersetzen“. Da die Energiepreise Einfluss auf die Inflation haben, dürfte der Anstieg auch bei Verbraucherpreisen zu spüren sein. 

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