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Vučić: USA verlangten 1999 von Ungarn, in Serbien einzumarschieren

Während des völkerrechtswidrigen NATO-Angriffs 1999 auf das damalige Jugoslawien hätten die USA und Großbritannien den Aussagen des serbischen Präsidenten zufolge Ungarn dazu gedrängt, mit seinen Truppen in Serbien einzumarschieren. Damals bombardierte die NATO Serbien 78 Tage lang.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat am Samstag berichtet, dass US-amerikanische und britische Spitzenpolitiker, darunter der damalige US-Präsident Bill Clinton, Ungarn 1999 zu einer Bodeninvasion gegen Serbien gedrängt hätten. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, der damals gerade mal ein Jahr im Amt gewesen war, habe laut Vučić diese Aufforderung abgelehnt.

In einer Fernsehansprache erklärte Vučić, die USA und das Vereinigte Königreich wollten damals, dass die ungarischen Streitkräfte nach Süden, also in den Norden Serbiens vordringen, um somit das damalige jugoslawische Militär zwischen der Front im Kosovo, im südlichen Teil Serbiens, und einer neuen Front mit Ungarn im Norden des Landes zu spalten.

„Clinton und die Briten verlangten [von Orbán], Serbien vom Norden aus anzugreifen, damit sie unsere Streitkräfte von Kosovo und Metochien bis Vojvodina auseinanderziehen könnten“, erklärte der serbische Präsident. Orbán, der damals in seiner ersten Amtszeit als ungarischer Ministerpräsident war, lehnte dies demnach ab und widersetzte sich mithilfe des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder dem „Druck aus dem Weißen Haus“.

Orbán habe Vučić bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen von der damaligen Aufforderung der NATO-Partner in Kenntnis gesetzt und ihm zudem erlaubt, darüber öffentlich zu sprechen, so der serbische Staatschef.

Die NATO startete 1999 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien, die zu diesem Zeitpunkt nur noch aus Serbien und Montenegro bestand.

Mit den Bombardierungen, die sich auch gegen die zivile Infrastruktur des souveränen Staates gerichtet hatten, stellte sich die transatlantische Militärallianz auf die Seite der kosovo-albanischen Separatisten, die im Krieg mit den Serben für die Unabhängigkeit des Kosovo, einer Provinz Serbiens, kämpften.

Ungarn war Anfang 1999 – wenige Wochen vor Beginn der NATO-Operation, die ohne ein UN-Mandat stattgefunden hatte – der transatlantischen Militärallianz beigetreten, hatte sich aber nicht an den Luftschlägen gegen Jugoslawien beteiligt.

Nach Angaben von Vučić war Orbán damals zu offiziellen Gesprächen mit dem damaligen Premierminister Tony Blair nach Großbritannien gereist und traf auch die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher. Thatcher habe ihn laut Vučić an der Tür mit folgenden Worten begrüßt: „Es stört mich sehr, dass Sie sich geweigert haben, Serbien anzugreifen, deshalb werden noch mehr britische Soldaten sterben.“

Letztlich kamen keine britischen Soldaten während der NATO-Operation ums Leben. In der mazedonischen Stadt Kumanovo wurde am 9. Juni 1999 ein Abkommen unterzeichnet, mit dem die Kriegshandlungen eingestellt wurden. Die südliche serbische Provinz wurde unter UN-Obhut gestellt, woraufhin auch NATO-Truppen ins Kosovo einrückten, wo sie bis heute stationiert sind.

Das serbische Militär zog sich aus der Provinz zurück. Mit ihm verließen damals Zehntausende Serben das Kosovo und Metochien. Bis heute sollen es rund 200.000 sein. Die Bombardierung war das erste Mal, dass die von den USA angeführte Allianz militärische Gewalt ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats einsetzte, und wurde und wird von einem Großteil der Welt als unrechtmäßig verurteilt. Im Jahr 2008 rief Pristina die Unabhängigkeit des Kosovo aus, die Serbien bis heute nicht anerkennt.

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