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Die Ukraine siegt? So wie einst Pyrrhus: „Wenn wir noch in einer Schlacht gegen die Römer siegen, sind wir verloren“…

„Wenn wir noch in einer Schlacht gegen die Römer siegen, sind wir verloren“, soll der griechische Heerführer Pyrrhus gesagt haben, nach dem eine eigene Art von Sieg benannt wurde. Bei genauerer Betrachtung könnten das die Ukrainer auch sagen, wenn sie wieder einmal einen Ort erobert haben.

Für die westlichen Medien steht fest: Die ukrainischen Truppen erringen einen Sieg nach dem anderen. Die Frankfurter Rundschau beispielsweise titelt: „Putin mit dem Rücken zur Wand: Steht eine russische Niederlage im Ukraine-Krieg bevor?“ und schreibt dann: „Inzwischen hat der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij die vollständige Kontrolle und Räumung der strategisch wichtigen Stadt Liman verkündet.“

Krasnij Liman, vor dem Krieg eine Kleinstadt mit etwa 15.000 Einwohnern, ist mittlerweile so gut wie unbewohnt. Nach einem Bericht des arabischen Senders Al Jazeera, der von ukrainischer Seite aus dem Ort berichtete, sind die letzten verbliebenen Bewohner die Mönche eines orthodoxen Klosters.

In den letzten zwei Wochen war Krasnij Liman kontinuierlich von ukrainischen Truppen angegriffen worden. Dabei sollen auf ukrainischer Seite bis zu 6.000 Soldaten eingesetzt worden sein. Verteidigt wurde der Ort von einer Garnison von etwa 500 Mann der Donbassmilizen. Als die ukrainischen Truppen versuchten, diese Garnison einzukreisen, wurde sie unter Einsatz von Verstärkungen mit minimalen Verlusten auf eine neue Verteidigungslinie zurückgezogen.

Zu einem weiteren Vorstoß ukrainischer Truppen kam es aus der Richtung von Kriwoi Rog, dieser Vorstoß ist mittlerweile zum Stillstand gekommen.

In beiden Fällen wird zwar von ukrainischer wie westlicher Seite ein Geländegewinn bejubelt, als stünden diese Truppen bereits kurz vor Moskau, aber die wirkliche Bewertung dieser Entwicklung kommt zu einem anderen Ergebnis (was natürlich Teile des russischen Telegram-Publikums nicht davon abhält, sofort in Panik zu verfallen).

Es gibt eine Reihe von Punkten, die man berücksichtigen muss, wenn man diese Entwicklungen realistisch bewerten will.

Erstens, die Ziele der russischen Armee und ihrer Verbündeten (noch sind die Donbassmilizen nicht Teil der russischen Armee) unterscheiden sich grundsätzlich von denen der ukrainischen Seite. Für Kiew sind Ortsnamen auf der Karte, auf die man deuten und deren Einnahme man als Erfolg verkaufen kann, ungeheuer wichtig; mittlerweile beruht die gesamte Funktionsfähigkeit des staatlichen Apparats auf westlichen Gaben, ohne regelmäßig fließende Milliarden könnten keine Gehälter oder Renten mehr gezahlt werden; also muss alles getan werden, um die Geber bei Laune zu halten. Die wiederum brauchen diese „Erfolge“, damit ihre eigenen Bevölkerungen nicht gar zu unwillig werden, „für die Ukraine“ zu frieren. Diese Lage hat zur Folge, dass Angriffe ohne jede Rücksicht auf Personal und Material durchgeführt werden.

Das russische Ziel lautet „Demilitarisierung der Ukraine“, und das übersetzt sich mit Vernichtung der ukrainischen Armee. Die Besetzung einzelner Orte hat, insbesondere, wenn, wie in Krasnij Liman, die Bevölkerung sie bereits verlassen hat, keinen wirklichen Wert (was sich in dem Moment, wenn die vier Gebiete Teil Russlands sind, womöglich ändern wird). Wenn ukrainische Truppen in Angriffen verheizt werden, um symbolische Siege erklären zu können, dabei aber signifikant Männer und Material verlieren, kommt das dem überragenden russischen Ziel entgegen.

Dementsprechend reagiert die russische Seite auf einen Angriff mit einer beweglichen Defensive, bei der ein taktisches Zurückweichen Teil der gesamten Strategie darstellt.

Zweitens, selbstverständlich geschehen auch Fehler. Entscheidend ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern aus begangenen Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der Rückzug aus Krasnij Liman führte zu einer lautstark ausgetragenen Debatte darüber, wer dafür verantwortlich war, dass die eigenen Stellungen an dieser Stelle zu schwach waren bzw. nicht schnell genug verstärkt wurden, in der sich unter anderem Ramsan Kadyrow zu Wort meldete und sogleich die Absetzung eines Generals verlangte (wirklich versetzt wurde ein anderer).

Nun ist die Frontlinie mit über tausend Kilometern sehr lang, so dass sich Schwachstellen gar nicht vermeiden lassen, und die ukrainische Seite hat, solange die Herbstregen sich nicht festgesetzt haben und eine Wolkendecke die Satellitenaufklärung erschwert, die gesamten Informationen der NATO zur Verfügung. Ob an einer Stelle ein Durchbruch möglich ist oder nicht, ist immer auch Ergebnis der punktuellen Truppenkonzentration; er kann also nie grundsätzlich ausgeschlossen werden, solange das Gegenüber noch ein Minimum an Manövrierfähigkeit besitzt. Ob diese Durchbrüche einen tatsächlichen oder nur einen scheinbaren Erfolg darstellen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Drittens, bei den letzten ukrainischen Angriffen kam bereits in großen Mengen das aus dem Westen gelieferte Material zum Einsatz, beispielsweise modernisierte polnische T-72; vermutlich zum Teil inklusive polnischer Besatzung. Vom ursprünglich auf ukrainischer Seite vorhandenen sowjetischen Material ist nicht mehr viel übrig. Von diesen Panzern, wie von holländischen Mannschaftstransportern und US-amerikanischen Haubitzen, wurde bei jedem dieser Angriffe einiges zerstört.

Es ist aber bekannt, dass aus den NATO-Ländern nicht mehr viel nachgeliefert werden kann; das betrifft selbst die Munition. Viele Kommentatoren wie Martjanow oder Larry Johnson meinten schon bei Beginn der ersten ukrainischen Angriffe im Gebiet Cherson, eigentlich hätte der ukrainische Generalstab diese Truppen zurückhalten müssen, um eventuell entlang des Dnepr damit eine Verteidigungslinie aufzubauen. Wie unter zweitens beschrieben, ist das eine Option, die die Ukraine nicht hat, da die Spender bei Laune gehalten werden müssen.

Mehr noch – die Beschlüsse über den Beitritt von Donezk, Lugansk, Saporoschje und Cherson zur Russischen Föderation werden die Spielregeln dieses Konflikts verändern, ebenso wie die zusätzlichen Truppen, die durch die Teilmobilmachung zur Verfügung stehen. Der Zeitraum, in dem überhaupt derartige ukrainische Operationen möglich sind, ist begrenzt. Dazu kommt, dass das immer verbreitetere westliche Material weder mit dem herbstlichen Schlamm noch mit den winterlichen Temperaturen gut zurecht kommen wird. Die Ukraine wirft momentan alles, was sie hat, in diese Angriffe; das wird vermutlich noch (so schätzt Gleb Besow auf Slavjangrad) für zwei, drei schwierige Wochen sorgen; dann werden sich die Kräfteverhältnisse an all diesen Stellen drehen.

Viel weniger Aufmerksamkeit wird einem wesentlich entscheidenderen Punkt zuteil. Die Kämpfe um Artjomowsk (ukr. Bachmut) gehen weiter, und hier verlieren die ukrainischen Truppen langsam, aber stetig. Artjomowsk ist tatsächlich ein zentraler Ort in der gesamten befestigten ukrainischen Linie im Donbass. Der Ort ist wesentlich größer als Krasnij Liman; mit seinen Vororten hatte er an die hunderttausend Einwohner, und viele sehen ihn als den Dreh- und Angelpunkt dieser Frontlinie. Eine Einnahme von Artjomowsk ist also wesentlich bedeutender als eine Verteidigung von Krasnij Liman; aber eben weil die Entwicklung an dieser Stelle langsam und systematisch verläuft, wird sie beim Blick auf vermeintliche Sensationen leicht übersehen.

Der Preis, den die Ukraine für die Schlagzeilen wie „Putin mit dem Rücken zur Wand“ bezahlt hat, wird sichtbar werden, wenn die Verstärkungen und Umgruppierungen der dann vollständig russischen Truppen abgeschlossen sind und der Gegenangriff erfolgt. Die Verluste durch die jetzigen Angriffe sind nicht ersetzbar, daran wird auch die in der Ukraine bereits angekündigte nächste Mobilisierungswelle nichts ändern, bei der nun Studenten eingezogen werden.

Der weitere Verlauf wird zeigen, wie illusorisch die Darstellung der NATO-Medien ist. In Wirklichkeit herrscht in der Zentrale des Westens längst Panik. Der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines ist ein deutlicher Beleg dafür. Wären sie wirklich davon überzeugt, dass die Ukraine siegen könnte oder dass ihre Pläne zum Regime Change in Russland von Erfolg gekrönt würden, sie hätten sie nicht angetastet.

Eine Analyse von Dagmar Henn

Quelle: R T

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